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Wasser


  

 

Eine alte Legende erzählt, dass einst ein göttliches Wesen über den Urgewässern brütete... Vielfältiges Leben hat sich entwickelt und in jedem lebendigen Wesen selbst fliesst das Wasser in umgewandelter Form. Leben ist ohne dieses gar nicht möglich. So wie wir den Pflanzen die Atemluft verdanken, so verdanken wir dem Wasser das lebendige Dasein auf dem Planet Erde in physischer Gestalt. Wo Wasser in Form von Regen auf trockene Erde fällt, keimt neues Leben auf. Wasser bringt Leben hervor und ist Lebensenergie selbst. Wasser erfrischt und reinigt. Schon von alters her war man der Überzeugung, dass dort, wo Wasser fliesst, die Lebenskraft wohne. Orte an denen Quellen sprudeln, wurden als Zentren hoher Energien und heiliger, heilender Kräfte betrachtet.


Drei Viertel des Globus sind mit Wasser bedeckt

Wasser hat viele Gesichter

Botschaften des Wassers  Studien des Japaners Masaru Emoto

 


 

 

Wenn ich über einen Acker gehe, der mir trocken zu sein scheint, so gehe ich doch auf einer Welt von Wasser. Jedes tiefer liegende Erdkrümelchen trägt eine Art Wasserhaut. Die Milliarden kleiner Lebewesen in der Krume bestehen fast nur aus Wasser. Stiege ich hinab zu den Tonschichten, dem Gestein, den Schieferschichten, so befände ich mich in einer von Wasser triefenden Unterwelt, bis ich endlich im Grundwasser stünde, in den unterirdischen Seen und Flussläufen, in denen sich Wasservorräte unvorstellbaren Ausmasses befinden.

 

Aus der Tiefe kommt der Brunnen, Tag und Nacht den Reichtum der Tiefe herausgebend in der Sprache des Wassers, im Rauschen und Glucksen und Plätschern und Gurgeln. Und ich schöpfe das Unerschöpfliche, das Geheimnis des Lebendigen. Im Gefäss gebe ich dem Formlosen eine Form und werde zum "Schöpfer".

 

Berge umgeben mich, und sie alle haben vom Wasser ihre Gestalt. Denn das Wasser schwemmt und sägt, hobelt und schleift. Es netzt sanft als Tau, prasselt als Hagel, schlägt als Lawine ins Tal, frisst das Land an Ufern und Küsten, unterhöhlt die Erde, kerbt das Profil der Felsen. Sickert ein in den Untergrund, poliert riesige Hohlräume aus, tropft von den Decken und verzaubert die nächtliche Unterwelt zu Palästen von Feen und Trollen, und eines Tages wird die Erde in die Tiefe nachstürzen oder nachgleiten.

 

Ich stapfe durch den Schnee, die Zauberwelt der Kristalle. Wasser in luftig leichter Gestalt, zart und behutsam die Wärme bewahrend, die die Erde hat und die sie braucht über die Zeit des Frosts. Eine Schlafdecke für Pflanzen und Tiere liegt ausgebreitet und hält Samenkörner und Fruchtknoten und das kleine Getier der Erde am Leben. Die Erde aber ruft unter dem Schnee heimlich die Feuchtigkeit ab, die sie braucht. Und vielleicht empfinden wir, es sei etwas in uns, das ebenso fällt, so liegt, so schmilzt, auftaut und wieder in die Erde rinnt, aufsteigend, im Wind treibend, fallend und sich wieder lösend, einschmelzend in die Wasser unter der Erde.

 

Ich entdecke das Heilende. Den Moorsee oder die Schwefelquelle, Wasser, abgestimmt auf meinen Körper und das, was er im Augenblick braucht. Das Element, wunderbar verbunden mit dem Leben in mir. Urflut und Meer, See und Fluss, Quelle und Tau. Mein Dasein begann im Wasser des Leibes meiner Mutter, und solange ich lebe, gibt das Wasser mir eine seltsame Geborgenheit.

 

Wir sehen im Wasser etwas wie das Urbild alles Lebendigen. Aber Leben ist eigentlich anders als das Wasser. Leben heisst wachsen. Das Wasser aber wächst nicht. Leben heisst sich fortpflanzen. Das Wasser aber kennt keinen Wechsel der Generationen. Leben heisst, den eigenen Rhythmus finden und durchhalten. Aber dem Wasser wird immer und überall der Rhythmus fremden Lebens vorgeschrieben. Und doch ist kein Leben möglich ohne das Wasser. Indem das Wasser kein eigenes Leben beansprucht, ist es die Urkraft alles Lebendigen.

 

Das Wasser hat kein eigenes Licht. Der Himmel über ihm gibt ihm seine Farbe, die Sonne spiegelt sich in ihm, der Baum an seinem Ufer. Seine Farbe empfängt das Wasser immer von anderen Dingen oder Wesen dieser Erde. (320)

 


 

27. Januar 2006